Reuters-Informanten: Neuer oberster Führer Irans ist schwer verletzt

Seit Wochen wurde Modschtaba Chamenei nicht gesehen. Reuters will aus dem Umfeld des iranischen obersten Führers erfahren haben: Er sei schwer verletzt und entstellt. Dagegen schreiben Regierungsanhänger: "Warum sollte er in der Öffentlichkeit auftreten? Um zur Zielscheibe dieser Kriminellen zu werden?"

Namentlich ungenannte Personen aus dem engsten Umfeld von Modschtaba Chamenei sollen die britische Presseagentur Reuters über den Gesundheitszustand des neuen iranischen obersten Führers informiert haben. Demnach erhole sich dieser immer noch von schweren Verletzungen im Gesicht und an den Beinen, die er bei US-amerikanisch-israelischen Luftangriffen zu Beginn des Krieges erlitten habe. Dies hätten drei Quellen gegenüber Reuters mitgeteilt. Eine Quelle, die mit US-amerikanischen Geheimdienstberichten vertraut sei, habe Reuters zudem mitgeteilt, "dass Chamenei vermutlich ein Bein verloren habe."

Die Informanten wollten anonym bleiben, hieß es in der Reuters-Meldung vom Samstag. Während Chamenei von seinen Verletzungen genese, würde er an Telefonkonferenzen mit hochrangigen Politikern teilnehmen. Der 56-Jährige sei an wichtigen Entscheidungen beteiligt, und auch an den aktuellen Verhandlungen mit den USA.

Reuters habe die Angaben der Informanten nicht überprüfen können. Seit seiner Ernennung zum neuen obersten Führer Irans am 8. März seien weder Fotos, noch Videos oder Audioaufnahmen von Chamenei veröffentlicht worden. Infolgedessen blieben Chameneis Aufenthaltsort, sein Gesundheitszustand und seine Regierungsfähigkeit für die Öffentlichkeit ein Rätsel.

Auf Reuters-Anfragen nach dem Gesundheitszustand und dem Grund der öffentlichen Abwesenheit von Chamenei habe die iranische Vertretung bei den Vereinten Nationen bisher nicht geantwortet. Dennoch von seiner Verwundung überzeugt, schreibt die Presseagentur:

"Chamenei wurde am 28. Februar, dem ersten Tag des von den USA und Israel ausgelösten Krieges, bei dem Angriff verwundet, bei dem sein Vater und Vorgänger Ajatollah Ali Chamenei, der seit 1989 regiert hatte, ums Leben kam. Modschtaba Chameneis Frau, Schwager und Schwägerin gehörten zu den weiteren Familienmitgliedern, die bei dem Angriff ums Leben kamen.

Es gab keine offizielle iranische Stellungnahme zum Ausmaß von Chameneis Verletzungen. Ein Nachrichtensprecher im staatlichen Fernsehen bezeichnete ihn jedoch als 'janbaz' – ein Begriff, der für im Krieg schwer Verwundete verwendet wird, nachdem er zum Obersten Führer ernannt worden war."

Alex Vatanka, leitender Wissenschaftler am Middle East Institute, bewertete die Regierungsfähigkeit von Modschtaba Chamenei: Unabhängig von der Schwere seiner Verletzungen sei es "unwahrscheinlich, dass der neue und unerfahrene Führer in der Lage sein werde, die übergreifende Macht auszuüben, die sein Vater innehatte". Es könne Jahre dauern, bis er eine vergleichbare Autorität aufgebaut habe.

Auch in iranischen sozialen Medien werde über Chameneis Abwesenheit diskutiert. Dabei würden Verschwörungstheorien über seinen Gesundheitszustand und darüber, wer das Land regiert, verbreitet. Demgegenüber würden unter anderem hochrangige Mitglieder der Basidsch-Miliz seine Abwesenheit verteidigen. So habe Mohammad Hosseini, ebenfalls Mitglied der Basidsch-Miliz, geschrieben:

"Warum sollte er in der Öffentlichkeit auftreten? Um zur Zielscheibe dieser Kriminellen zu werden?"

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