US-Präsident Donald Trump hat angedeutet, dass Iran den tödlichen Angriff auf eine Mädchenschule in der südlichen Stadt Minab mit einem Tomahawk-Marschflugkörper – einem Waffensystem, das im aktuellen Konflikt ausschließlich von den USA eingesetzt wird – verübt haben könnte.
Bei dem Angriff auf die Shajareh-Tayyebeh-Grundschule am 28. Februar kamen mehr als 160 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Mädchen im Alter von 7 bis 12 Jahren. Es war der bisher blutigste Einzelvorfall der laufenden US-israelischen Militäroperation gegen Iran. Die Schule liegt neben einer Einrichtung der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC), die bei derselben Angriffswelle ebenfalls Ziel eines Angriffs war.
Ein von Medien geolokalisiertes Videos zeigt, wie ein Tomahawk-Marschflugkörper eine medizinische Einrichtung auf dem Militärgelände neben der Schule trifft. Laut einer Untersuchung der New York Times wurde die Mädchenschule bei der Angriffswelle auf das Militärgelände gezielt getroffen.
Auf die Frage von Reportern, ob Washington die Verantwortung übernehmen würde, deutete Trump stattdessen an, dass der Marschflugkörper von Iran oder "jemand anderem" eingesetzt worden sein könnte.
"Nun, ich habe es nicht gesehen", sagte Trump. "Und ich sage Ihnen, dass die Tomahawk-Rakete, eine der stärksten Waffen überhaupt, (...) sie wird von anderen Ländern verkauft und eingesetzt, das wissen Sie. Und ob es nun Iran ist, der ebenfalls einige Tomahawks besitzt – sie wünschten, sie hätten mehr. Aber ob es nun Iran oder ein anderes Land ist: Tatsache ist, dass die Tomahawk-Rakete sehr weit verbreitet ist, dass sie an andere Länder verkauft wird, aber das wird gerade untersucht."
Der US-Präsident legte keinerlei Beweise dafür vor, dass Iran über Tomahawk-Marschflugkörper oder die Mittel zu deren Abschuss verfügt. Diese Langstreckenwaffe – die in geringer Höhe 1.600 Kilometer weit fliegen und so die Luftabwehr umgehen kann – wird von Raytheon hergestellt und hauptsächlich von der US-Marine von Kriegsschiffen und U-Booten aus eingesetzt. Nur wenige US-Verbündete, darunter Großbritannien und Australien, betreiben dieses System; die Niederlande und Japan sind dabei, die Raketen zu beschaffen.
Erst vor wenigen Tagen beschuldigte Trump Teheran direkt, die Schule mit seinen eigenen, "sehr ungenauen" Waffen zerstört zu haben.
Auf erneute Nachfrage zu dem Angriff am Montag räumte Trump ein, nicht ausreichend über den Vorfall informiert zu sein, und erklärte, er werde die Ergebnisse der laufenden Untersuchung akzeptieren.
"Mir wurde gesagt, dass dies untersucht wird. (...) Aber Tomahawks werden auch von anderen eingesetzt", bekräftigte er.
Das Pentagon gab bekannt, dass der Vorfall geprüft werde. Beamte, die in US-Medienberichten zitiert werden, vermuten, dass die Schule versehentlich getroffen worden sein könnte, möglicherweise aufgrund veralteter Geheimdienstinformationen oder Zielfehlern.
Allerdings berichten Augenzeugen, dass die Schule ein zweites Mal angegriffen wurde, nachdem bereits Rettungshelfer und Angehörige der Schülerinnen vor Ort waren. So schilderte ein Vater, dessen Tochter den ersten Angriff überlebt hatte, gegenüber Middle East Eye:
"Man sagte uns, die Schule sei angegriffen worden. Wir sollten so schnell wie möglich kommen und unsere Tochter abholen."
Doch bevor er sie erreichen konnte, erfolgte der zweite Angriff – 40 Minuten nach der ersten Attacke. "Meine kleine Tochter war völlig verbrannt. Von ihr war nichts mehr übrig. Wir konnten sie nur noch an ihrer Schultasche identifizieren, die sie noch in der Hand hielt. Sie war völlig verbrannt", so der Vater.
Zwei Angriffe auf dasselbe Ziel werden oft als "double-taps" ("Doppelschläge") bezeichnet, insbesondere wenn zwischen den Angriffen eine kurze Pause liegt und Sanitäter und andere Zivilisten, die am Tatort eintreffen, bei dem Folgeangriff getötet werden.
Wie Middle East Eye berichtet, wurde die Taktik der Doppelschläge teilweise auch bei Angriffen auf Teheran angewendet. Doppelschläge gelten als Kriegsverbrechen. Israel hat diese Taktik häufig im Krieg gegen die Palästinenser im Gazastreifen angewendet, beispielsweise gegen Krankenhäuser.
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