Mit einer komplexen Strategie versucht Iran, die Kriegskosten für die USA, Israel und beteiligte Staaten in der Region in die Höhe zu treiben. Zu dieser Strategie gehöre die geografische und operative Ausweitung des Schlachtfelds, heißt es in einer Analyse, die der Palestine Chronicle am Samstag veröffentlichte. Der Autor Ramzy Baroud schreibt dazu:
"Anstatt sich ausschließlich auf israelisches Territorium zu konzentrieren, hat Iran eine Vielzahl von US-amerikanischen und verbündeten Einrichtungen in der gesamten Region ins Visier genommen. Dazu gehören Militärstützpunkte, Geheimdienstanlagen, Radarsysteme und logistische Infrastruktur, die amerikanische Operationen unterstützen."
Zum einen wolle Iran mit der Ausweitung der Angriffe den gegnerischen Streitkräften eine "strategische Blindheit" auferlegen. Radarsysteme, Überwachungsnetze und Frühwarnsysteme würden außer Gefecht gesetzt. Zudem sende Teheran durch die Angriffe auf US-Stützpunkte in mehreren Ländern die klare Botschaft, dass sich der Krieg nicht auf ein bestimmtes geografisches Gebiet konzentriert. Jedes Land mit US-amerikanischen Militäreinrichtungen könne Teil des Schlachtfelds werden.
Gleichzeitig betonen iranische Politiker, ihre Angriffe gelten ausschließlich der US-Militärinfrastruktur. Sie richteten sich nicht gegen die Souveränität der Nachbarländer. Baroud führt aus: "Dennoch ist die Botschaft unmissverständlich: Wenn regionales Territorium für Angriffe auf Iran genutzt wird, kann dieses Territorium auch zum Ziel von Vergeltungsmaßnahmen werden." Mit seiner Strategie des Kampfes an mehreren Fronten treibe Iran die politischen und militärischen Kosten mit fortlaufendem Krieg in die Höhe.
Wirtschaftskrieg
Schließlich führe Iran parallel dazu auch einen Wirtschaftskrieg, indem er die globale Energieversorgung behindere. So sei die Meerenge von Hormus "praktisch zum Kriegsgebiet" geworden. Zwar habe Iran keine formelle Blockade erklärt, aber die durch den Konflikt geschaffenen Bedingungen hätten zu einer faktischen Sperrung der Wasserstraße geführt. Die Versicherungskosten für Schiffe und Tanker seien in die Höhe geschnellt, manche Reedereien hätten ihre Fahrten bereits eingestellt. Die Meerenge sei nicht per Dekret, sondern durch die Realitäten des Krieges geschlossen.
Das wirkt sich weltweit auf die Volkswirtschaften aus. Den ökonomischen Druck spürten auch die europäischen Volkswirtschaften. Diese seien bereits durch die Energiekrisen nach dem Krieg in der Ukraine geschwächt. Jetzt würden ihre Wirtschaften durch erneute Schwankungen auf den Öl- und Gasmärkten zusätzlich geschwächt. Diese Dynamik sei für Iran "eine wirkungsvolle Form der indirekten Einflussnahme".
Krieg der Strategie
Die iranische Führung versuche, einen Krieg nach einem klar definierten strategischen Rahmen zu führen. Der Analyst fasst zusammen: "Militärische Eskalation, wirtschaftliche Störungen, Mobilisierung im Inland und diplomatische Signale scheinen alle Teil eines einzigen integrierten Ansatzes zu sein. Damit sollen die Kosten des Konflikts über jenes Maß hinaus erhöht werden, das die Gegner zu tragen bereit sind. Es wird jedoch immer deutlicher, dass sich der Krieg nicht nur zu einem Wettstreit der militärischen Fähigkeiten, sondern auch der strategischen Kohärenz entwickelt."
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