Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hält einen US-Angriff auf den Iran für ziemlich möglich und hat am Donnerstag seinen Landsleuten davon abgeraten, in das Nahostland zu reisen. Wer sich momentan in der Islamischen Republik aufhalte, müsse sich umgehend in Sicherheit bringen. Im Fernsehen begründete der Politiker seinen Appell damit, dass eine Evakuierung im Fall eines militärischen Konflikts zwischen Washington und Teheran nicht garantiert sei. Er wolle zwar niemanden einschüchtern, aber:
"Die Möglichkeit eines bewaffneten Konflikts ist sehr real, und in wenigen, einem Dutzend oder mehreren Dutzend Stunden könnte eine Evakuierung keine Option mehr sein."
Auch Polens Außenminister Radosław Sikorski machte eine ähnliche Warnung.
Nach den jüngsten Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran häufen sich Hinweise auf einen möglicherweise baldigen Krieg. Nach übereinstimmenden Medienberichten erwägt US-Präsident Donald Trump einen Militärschlag in den kommenden Tagen. Obwohl der Republikaner noch keine endgültige Entscheidung getroffen habe, sei das US-Militär einsatzbereit und imstande, den Iran bereits an diesem Wochenende anzugreifen, berichten mehrere US-Medien unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen.
Angesprochen auf Abwägungen von Trump zu einem möglichen militärischen Vorgehen gegen den Iran hat US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt zuletzt gesagt, es gebe viele Argumente, die man für einen Angriff auf den Iran anbringen könnte. Gleichzeitig bekräftigte sie aber auch, dass Diplomatie immer die erste Wahl des US-Präsidenten sei. Die Führung in Teheran wäre gut beraten, einen Deal mit Trump einzugehen, betonte Leavitt.
Am Dienstag fand eine zweite Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran in Genf statt. Der Iran dämpfte danach die Hoffnung auf einen raschen Durchbruch. Außenminister Abbas Araghtschi sagte dem Staatsfernsehen, dass der Weg zu einer Einigung begonnen habe. Aus US-Regierungskreisen verlautete, dass trotz Fortschritten noch viele Einzelheiten zu klären seien.
Zuletzt hatten die USA ihre Militärpräsenz in der Region noch einmal deutlich erhöht. Dutzende US-Kampfjets verließen in den vergangenen Tagen Basen in den USA und Europa und bewegen sich in Richtung Nahost. Nach Angaben des Nachrichtenportals Axios soll das US-Militär mittlerweile auf mehr als 150 Flügen Waffensysteme und Munition in die Region transportiert haben. Die Zeitung The Wall Street Journal ihrerseits schrieb, dass die USA im Nahen Osten die größte Flugzeuggruppierung seit dem Irak-Krieg im Jahr 2003 zusammengezogen hätten. Außerdem sei ein weiterer US-Flugzeugträger auf dem Weg in die Region. Dieser Truppenverband könnte den USA eine mehrwöchige Operation ermöglichen.
Die USA wollen angeblich verhindern, dass die Führung in Teheran in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Die Islamische Republik zeigt sich zwar bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen, fordert im Gegenzug aber die Aufhebung der westlichen Sanktionen. Eine Begrenzung seines Raketenprogramms schließt Teheran bislang aus.
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