US-Präsident Trump schließt ein militärisches Eingreifen in Iran weiterhin nicht aus. "Wir haben eine riesige Flotte, die in diese Richtung unterwegs ist", sagte der Republikaner auf dem Rückweg aus Davos nach Washington vor Journalisten. "Und vielleicht müssen wir sie nicht einsetzen, wir werden sehen", fügte er hinzu. Viele Schiffe seien nur für den Fall der Fälle auf dem Weg in die Region. "Ich würde es vorziehen, wenn nichts passiert, aber wir beobachten sie sehr genau", sagte Trump über Iran.
Bereits Ende der vergangenen Woche hatten US-Medien berichtet, dass sich der Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" und seine Begleitschiffe vom Südchinesischen Meer aus in Richtung dieser Region begeben hätten. Der mit einem Atomreaktor betriebene Flugzeugträger transportiert mehrere Tausend Soldaten sowie Dutzende Kampfflugzeuge und wird von Zerstörern der Marine begleitet.
Sollte Trump sich letztendlich zu einer Intervention entschließen, wird alles, was er unternimmt, unvorhersehbare Folgen haben – und manche Optionen könnten überhaupt nichts bewirken. Ein begrenzter Militärschlag gegen die Iranische Revolutionsgarde, die wichtigste Sicherheitskraft Irans, wird wahrscheinlich keinen Einfluss auf den Ausgang der jüngsten gewalttätigen Unruhen im Land haben.
Allerdings gebe es nichtmilitärische Möglichkeiten, Druck auf die theokratische Führung auszuüben. Dazu zählen Cyberangriffe auf militärische und zivile Einrichtungen, weitere Sanktionen gegen den Ölsektor des Landes sowie eine verstärkte Online-Propaganda gegen die Islamische Republik, kommentierte das Wall Street Journal (WSJ).
Letztendlich können ausländische Mächte wenig tun, um den Ausgang von "Volksaufständen" grundlegend zu beeinflussen, sagen westliche Analysten gegenüber WSJ. "Ich glaube nicht, dass ausländische Hilfe viel bewirken kann. Es geht hier um das Kräfteverhältnis vor Ort", sagte Peyman Jafari, Experte für iranische soziale Bewegungen an der William & Mary University in Williamsburg, Virginia. Er warnte davor, dass ein Angriff Millionen Menschen zur Verteidigung der Islamischen Republik mobilisieren könnte. Bei den Wahlen 2024 stimmten mehr als 13 Millionen Menschen für den Kandidaten der Hardliner.
Analysten sind der Meinung, dass Trumps bevorzugte Strategie für den Einsatz amerikanischer Streitkräfte – schnelle Angriffe und anschließender Rückzug, wie bei der Bombardierung der iranischen Atomanlagen im letzten Jahr oder der Festnahme des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro – in Iran nicht funktionieren wird.
Ein Überfall wie auf Maduro in seiner Residenz in Caracas wäre in Iran, einem viel größeren Land mit Verteidigungsanlagen zum Schutz von Chamenei – darunter eine als "Vali-ye Amr" bekannte Einheit der Revolutionsgarde mit mehreren tausend Soldaten – kaum vorstellbar, kommentierte das WSJ weiter.
Auch Chamenei ist kein Bürokrat, der einfach durch eine Person ersetzt werden kann, die den Interessen der USA entspricht. Die Islamische Republik basiert auf der Idee, dass der Oberste Führer der Vertreter Gottes auf Erden ist – ein papstähnlicher Führer von Millionen schiitischen Muslimen auf der ganzen Welt. Seine Gefangennahme oder Tötung könnte nicht nur eine heftige Reaktion Irans auslösen, sondern auch einen regionalen Umbruch. Laut dem WSJ macht das einen gezielten Schlag gegen einige der Sicherheitskräfte des schiitischen Staates zu einer wahrscheinlicheren Option, sollte Trump Maßnahmen ergreifen.
John Bolton, Trumps ehemaliger nationaler Sicherheitsberater, sagte, Trump müsse die Stützpunkte der Revolutionsgarde, ihre freiwillige Miliz namens Basij, ihre Atom- und Raketenprogramme sowie ihre Marine angreifen. "Und das ist erst der Anfang", fügte er hinzu. "Mal sehen, ob wir der Opposition helfen können", sagte der Kriegstreiber und Trump-Kritiker gegenüber NewsNation. "Ein einmaliger Schlag wird das nicht unbedingt bewirken."
Die jüngsten Proteste in Iran begannen den iranischen Behörden zufolge wegen der Unzufriedenheit über die Inflation. Diese seien später von bewaffneten Gruppen gekapert worden, die von ausländischen Mächten ausgerüstet, finanziert und ausgebildet worden seien.
Mehr zum Thema - Trump beschimpft Chamenei: Irans Staatsoberhaupt gibt US-Präsident Schuld an Unruhen in Iran