"Sind die USA in den Libanon umgezogen?" – Neue US-Botschaft in Beirut steht in der Kritik

Während die USA an ihrer neuen Botschaft im Libanon bauen, hagelt es in den sozialen Medien Kritik gegen das kolossale Gebäude. Der Bau ist mehr als doppelt so groß wie das Gelände des Weißen Hauses. Dabei ist die schwere Wirtschaftskrise in dem Nahost-Land noch nicht vorbei.

Die diplomatische Vertretung der USA im Libanon hat mit einem Thread auf Twitter für viel Aufsehen in dem kriselnden Nahost-Land gesorgt. Am 5. Mai veröffentlichte die US-Botschaft Fotos mit ihrem neuen, noch im Bau befindlichen Gebäudekomplex. Die Errichtung der kolossalen Immobilie war zwar noch im Jahr 2015 angekündigt worden. Als aber die Fotos mit der Baustelle und dem libanesischen Außenminister Abdallah Bou Habib im Internet auftauchten, hagelte es Kritik.

Mehrere Twitter-Nutzer schrieben unter den Tweet bissige Kommentare. Der in den USA lebende geschäftsführende Direktor des Amerikanisch-arabischen Antidiskriminierungskomitees (ADC), Abed A. Ayoub, brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die neue Botschaft ausreichend Platz haben werde, um alle fälligen Visumsanträge zu bearbeiten.

Eine Twitter-Nutzerin namens Sandy fragte, ob die USA inzwischen in den Libanon umgezogen seien, während Ghada Kahil kritisierte, dass die US-Regierung eine solch große Botschaft im Nahost-Land gar nicht brauche.

"Der Libanon wird keine amerikanische Kolonie sein, die ihr kontrolliert, um dem Feind Frieden zu bringen. Wir sind freie Menschen, die Würde und Ehre haben, selbst wenn einige wenige von uns eure Sklaven sind."

Andere Nutzer kritisierten, dass die im Bau befindliche Botschaft größer als ein Elektrizitätswerk oder jede beliebige libanesische Institution sei. Dabei warfen sie der US-Regierung vor, korrupte Politiker zu schützen und gleichzeitig das Land mit Sanktionen zu belegen.

Einige libanesische Nutzer erkundigten sich nach dem Einweihungstermin. Denn die Baustelle setze ihnen zufolge schon seit fünf Jahren der ganzen Nachbarschaft zu.

Die Errichtung des Gebäudekomplexes wird vom US-Büro Auslandsimmobilien (OBO) beaufsichtigt. Die Baustelle befindet sich im Beiruter Randviertel Awkar und nimmt eine Fläche von ungefähr 174.000 Quadratmetern ein, was fast 2,5-mal so groß ist wie das Gelände des Weißen Hauses in Washington. Auf der Webseite der US-Botschaft heißt es, dass dort eine "kompakte Siedlung" entstehe, die "rigorosen Energieeinspar- und Nachhaltigkeitszielen" entsprechen solle. Damit wolle man die Umweltbelastung reduzieren und die Leistung der Gebäude optimieren. Die von der US-Botschaft veröffentlichten Bilder des architektonischen Entwurfs zeigen Gebäude mit hohen Fenstern, ein Schwimmbad und Erholungszonen mit Ausblick auf die libanesische Hauptstadt.

Derzeit kommt das Nahost-Land aus einer tiefen Wirtschaftskrise nicht heraus. Im Libanon sind die finanziellen Folgen der COVID-19-Pandemie und der Explosion im Hafen von Beirut noch deutlich zu spüren.

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