UNICEF: Millionen Menschen im Libanon von Wassermangel betroffen

In einem aktuellen Bericht warnt das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF, dass die Wasserkrise im Libanon die Gesundheit von Millionen Menschen, vor allem von Kindern, gefährdet. Zurückzuführen sei diese unter anderem auf die gestiegenen Ölpreise und die anhaltende Wirtschaftskrise.

Während es dem von Krisen gerüttelten Libanon gelungen ist, einen völligen Zusammenbruch seiner Wasserinfrastruktur abzuwenden, sind die Wasserversorgungssysteme nach einem Bericht des Internationalen Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) weiterhin derart fragil, dass sie die Gesundheit von Millionen von Menschen gefährden.

"Millionen von Menschen sind von der begrenzten Verfügbarkeit von sauberem und sicherem Wasser betroffen. Die Lösung dieses Problems ist für die Gesundheit der Kinder und Familien im Libanon von größter Bedeutung", sagte Edouard Beigbeder, UNICEF-Vertreter im Libanon.

Der aktuelle Bericht beleuchtet die Entwicklungen seit der Warnung von UNICEF vor einem Jahr, dass das Wassersystem am Rande des Zusammenbruchs steht. Letztes Jahr forderte UNICEF die dringende Wiederherstellung der Energieversorgung, um den Betrieb der Wasserversorgung im Land aufrechtzuerhalten.

Die Energiekrise im Libanon ist eine der Auswirkungen einer schweren Wirtschafts- und Finanzkrise, die das Land seit mehr als zweieinhalb Jahren erlebt, wobei der Strom fast den ganzen Tag ausfällt. Im neuen Bericht mit dem Titel "Struggling to keep the taps on" (Kämpfen, um die Wasserhähne am Laufen zu halten) erklärt UNICEF, dass die Aussichten auf eine Lösung düster bleiben, solange die Stromkrise andauert, da der Strommangel es unmöglich macht, ausreichend Wasser zu pumpen, und in einigen Fällen dazu führt, dass der Pumpbetrieb vollständig eingestellt wird. Darin heißt es weiter:

"Die weltweit steigenden Ölpreise haben den wirtschaftlichen Zusammenbruch, der bereits durch die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und die Folgen der Explosionen in Beirut im Jahr 2020 verschärft wurde, noch weiter verschlimmert und die kritische Infrastruktur schwer beeinträchtigt."

Vor allem wegen der Stromkrise, aber auch weil sie sich angesichts der steigenden Inflation keine Ersatzteile, Reparaturen und Diesel leisten können, waren die öffentlichen Wasserversorger des Landes nicht in der Lage, die Menschen ausreichend mit Wasser zu versorgen. Viele Haushalte sind demnach auf teure Wassertransporte und private Anbieter angewiesen, die keine Garantie für die Wasserqualität bieten.

Dabei haben sich die Preise immens erhöht: Die durchschnittlichen Kosten für 1.000 Liter per Lastwagen angeliefertes Wasser beliefen sich im April 2022 auf 145.000 libanesische Pfund (LBP), rund 50 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, und eine Versechsfachung gegenüber 2019. Zum Trinken sind die meisten libanesischen Haushalte auf Flaschenwasser angewiesen, auch wegen der Bedenken hinsichtlich der Qualität des Leitungswassers. Der Preis für abgefülltes Wasser lag im April 2022 drei- bis fünfmal so hoch wie ein Jahr zuvor. Eine fünfköpfige Familie, die insgesamt 10 Liter pro Tag trinkt, müsste jährlich etwa 6,5 Millionen LBP (261 US-Dollar) ausgeben, zusätzlich zu den Kosten für Wasser, das sie zum Kochen und für die Hygiene benötigt.

Vor allem für Kinder, die rund ein Drittel der Bevölkerung ausmachen, stellt eine unzureichende Versorgung mit sicherem Wasser ein großes Risiko dar, da sie besonders anfällig für wasser- und abwasserbedingte Krankheiten sind – es ist eine der häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Beigbeder erklärte:

"Der Zugang zu Wasser ist nicht nur ein Grundbedürfnis, sondern ein Grundrecht. Ausreichendes, erschwingliches und sicheres Wasser rettet Leben und hält Kinder gesund."

Auch Krankenhäuser und andere Gesundheitszentren sowie Schulen sind von der Wasserkrise stark betroffen. Es sollten unverzüglich Maßnahmen ergriffen werden, um die Stromkrise zu lösen und die Dienstleistungen zu unterstützen, während gleichzeitig erhebliche Investitionen dringend erforderlich sind, damit die öffentlichen Versorgungsnetze wieder rentabel arbeiten können. UNICEF benötigt 75 Millionen US-Dollar pro Jahr, um die kritischen Systeme funktionsfähig zu halten und die Wasserversorgung von über vier Millionen Menschen im ganzen Land sicherzustellen.

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