Türkei startet Militäroperation im Nordirak gegen kurdische Miliz

Die türkische Armee startete laut eigenen Angaben eine umfangreiche Militäroperation gegen Kämpfer der von Ankara als Terrororganisation eingestuften Guerillaorganisation PKK. Medien im Umkreis der PKK bestätigten die Angriffe.

Die Türkei hat nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Ankara eine groß angelegte grenzüberschreitende Militäroffensive gegen Kämpfer der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak begonnen.

Die Operation umfasst eine umfangreiche Luftangriffskampagne mit Kampfflugzeugen, Hubschraubern und Drohnen sowie eine Bodenoffensive von Kommandotruppen unterstützt von Artilleriesalven, wie der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar am Montagmorgen in einer Videoansprache mitteilte.

Ankara behauptet, mehrere Bunker, Tunnel und Munitionsdepots sowie militärische Stützpunkte der PKK in den nordirakischen Grenzgebieten Metina, Zap und Avashin-Basyan erfolgreich zerstört zu haben, bevor Bodentruppen in den Nachbarstaat vorrückten. Es ist unklar, wie viele Truppen und militärisches Gerät an der Operation beteiligt sind. Akar erklärte der Nachrichtenagentur Associated Press zufolge:

"Unsere Operation verläuft – wie geplant – weiterhin erfolgreich. Die für die erste Phase gesetzten Ziele wurden erreicht."

Die türkischen Streitkräfte würden nur "Terroristen" ins Visier nehmen und besondere Vorsichtsmaßnahmen durchführen, um den Verlust von Menschenleben in der Zivilbevölkerung und die Beschädigung von Kulturerbestätten zu vermeiden, erklärte der Minister. Akar sagte:

"Unser Kampf wird weitergehen, bis der letzte Terrorist ausgeschaltet ist. Wir sind entschlossen, unser edles Volk vor dem Unglück des Terrors zu bewahren, das unser Land seit 40 Jahren plagt."

Akar zufolge befinde sich die PKK im Zusammenbruch. Zudem bekräftigte der türkische Verteidigungsminister, dass die Operation in Übereinstimmung mit der Souveränität und territorialen Integrität des "Freundes- und Bruderstaates Irak" durchgeführt werde. Die Türkei beruft sich bei der Operation auf Artikel 51 der UN-Charta, dem zufolge Staaten ein Recht zur Selbstverteidigung besitzen.

Die kurdische Miliz meldete derweil erste Schläge gegen die türkische Armee. So seien beim Versuch türkischer Soldaten, in Zap mit einem Helikopter zu landen, bei einem Überfall acht türkische Soldaten "bestraft" worden, wie die PKK-nahe Nachrichtenagentur ANF berichtete. Die Agentur vermeldete ebenfalls Kämpfe in weiteren Teilen des Nordirak. Der Kongress der demokratischen Gesellschaften aus Kurdistan in Europa (KCDK-E), ein PKK-naher Dachverband, rief indessen Kurden dazu auf, sich gegen die türkische "Besatzung" zur Wehr zu setzen. In der Erklärung wirft der Dachverband der in der autonomen irakischen Region Kurdistan dominierenden Demokratischen Partei Kurdistans einen Verrat und eine Mitschuld an der Militäroperation vor.

Die PKK ist eine militante kurdische politische Organisation, die seit 1984 einen bewaffneten Guerillakampf für einen autonomen Status Kurdistans führt. Der Konflikt hat bereits mehr als 40.000 Menschenleben gefordert. Im Laufe der Jahre führte die Türkei mehrere Militäroperationen gegen die PKK durch, die ihren Sitz im Nordirak hat und das Gebiet zur Unterstützung des Aufstands im Osten der Türkei nutzt.

Die PKK wurde neben der Türkei auch von den USA, dem Vereinigten Königreich und der EU als terroristische Vereinigung eingestuft. Die Kurden waren jedoch ein wichtiger Verbündeter des Westens und der USA im Kampf gegen die Terroristen des Islamischen Staates (IS, früher ISIS) sowohl in Syrien als auch im Irak. Washington unterhält einen militärischen Stützpunkt in den von den Kurden kontrollierten Regionen Syriens. Die autonome irakische Region Kurdistan beherbergt ebenfalls mehrere US-amerikanische Militäreinrichtungen und ein US-Konsulat in Erbil.

Mehr zum ThemaTürkei verlängert Militäreinsatz in Irak und Syrien erneut