Auf den letzten Evakuierungsflügen aus Afghanistan befanden sich auch Hunderte Elitesoldaten der afghanischen Streitkräfte. Sie sollen 1.000 britischen Soldaten bis zum Schluss bei ihren Evakuierungsbemühungen am Flughafen in Kabul geholfen haben. Nun fordern britische Politiker, dass sie in die Armee integriert werden sollen, berichtet die FAZ.
"Wenn sie dienen wollen, sollten wir sie willkommen heißen", sagte Tom Tugendhat, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Unterhaus. Die Soldaten, die von den Briten ausgebildet seien und an ihrer Seite gekämpft hätten, hätten "ihre Loyalität tausendmal bewiesen".
Tobias Ellwood, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses, schlug inzwischen vor, sie als eigene Einheit zu integrieren, ähnlich der "Gurkhas". Die Gurkha-Brigade diente den Briten nicht nur in der indischen Kolonie – die britische Armee redet bis heute von der "Indischen Meuterei" –, sondern an fast allen Fronten des Empires. Der Brigade gehören heute um die 4.000 Mann an. Sollte die Aufnahme der afghanischen Soldaten nach dem Gurkha-Modell ablaufen, hätten sie für die Zeit ihres Dienstes ein Bleiberecht, das nach der Pensionierung in einen dauerhaften Status überführt würde, kommentiert die FAZ.
Es bleibt allerdings zu warten, ob Großbritannien die afghanischen Soldaten, die ihre Waffen niederlegten und vor den Taliban flohen, für Stellvertreterkonflikte im Nahen Osten einsetzen würde. Die Rekrutierung ausländischer Söldner durch Konfliktparteien hat in der Region in letzter Zeit zugenommen. Im Rahmen der arabischen Militärkoalition im Jemen, die von USA gefördert wird, hat Saudi-Arabien bereits Abertausende afrikanische Kämpfer rekrutiert, um in dem von Krise heimgesuchten Land zu kämpfen. Die Regierungen Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate sind laut Experten des UN-Menschenrechtsrats mutmaßlich für Kriegsverbrechen im Jemen verantwortlich.
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