Von Boris Dscherelijewski
Meldungen, dass Neu-Delhi den Kauf von sechs US-amerikanischen Aufklärungsflugzeugen und 114 französischen Kampfflugzeugen (von denen ein Großteil in Indien hergestellt werden soll) genehmigt hat, gibt natürlich Anlass zur Sorge über die Aussichten für die weitere militärisch-technische Zusammenarbeit des Landes mit Russland. Frankreich ist ein bedeutender Konkurrent Russlands auf dem weltweiten Rüstungsmarkt. Zumal es sich hier um einen wirklich sehr großen Rüstungsvertrag handelt – den Verkauf von mehr als hundert Kampfflugzeugen im Wert von mehreren zehn Milliarden Euro. So etwas kommt nicht jedes Jahr und nicht einmal jedes Jahrzehnt vor.
Vor allem aber kann Russland in Bezug auf die Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug des Typs P-8 von Boeing technisch einfach nicht mit den US-Amerikanern konkurrieren. Im Jahr 2023 hat die indische Marine fünf U-Boot-Jagdflugzeuge vom Typ Il-38 ausgemustert, da sie diese Flugzeuge für veraltet hielt. In Russland sind Maschinen dieses Typs nach einer Modernisierung noch im Einsatz, aber es wird bereits ein Ersatz für sie vorbereitet.
Bei den französischen Kampfflugzeugen ist die Situation nicht so eindeutig. Die indische Luftwaffe verfügt bereits über 36 Rafale-Flugzeuge von Dassault Aviation, die zwischen 2016 und 2022 aus Frankreich gekauft wurden: 28 Rafale EH und acht Rafale DH. Und im vergangenen Jahr beschloss Neu-Delhi, 26 Rafale-Marine-Kampfflugzeuge (22 einsitzige Rafale-M und vier zweisitzige Trainingsflugzeuge Rafale-D) aus Frankreich zu kaufen, die bis 2030 für die Flugzeugträger der indischen Marine geliefert werden sollen. Sie sollen die russischen Deckjäger MiG-29K sowie die Trainings- und Kampfflugzeuge MiG-29KUB ersetzen.
Nun beabsichtigt Indien, Rafale mit mehreren hundert SCALP-Flugkörpern zu erwerben. Ein wichtiger Faktor bei dieser Entscheidung war die Zustimmung von Dassault Aviation, dass ein Großteil der 114 französischen Kampfflugzeuge in Indien hergestellt werden soll – zuvor hatten die Franzosen dies abgelehnt. Zwar führte das französische Unternehmen Dassault seit 2012 Verhandlungen mit dem indischen Staatsunternehmen Hindustan Aeronautics Limited (HAL) über die gemeinsame Produktion von 126 Flugzeugen mit Technologietransfer, doch damals kamen diese Verhandlungen zu keinem Ergebnis. Dieser Aspekt ist für Neu-Delhi von großer Bedeutung, da es bestrebt ist, seine Abhängigkeit vom Lieferland so weit wie möglich zu verringern.
Allerdings könnte sich eine solche Unabhängigkeit als völlig ungerechtfertigt erweisen. So war der Selbstkostenpreis der Su-30MKI, die heute das Rückgrat der indischen Luftwaffe bildet und in Indien hergestellt wird, fast doppelt so hoch wie der Marktwert desselben Flugzeugs, das in Russland hergestellt wurde. Einigen Angaben zufolge kostet sie 70,3 Millionen US-Dollar pro Stück, während ein in Russland gekauftes Exemplar nur 42,15 Millionen US-Dollar kostet. Dies hängt wahrscheinlich mit dem geringeren Produktionsvolumen und den weniger effizienten Produktionslinien zusammen. Außerdem wirkte sich auch die Tatsache, dass für die übertragenen Technologien bezahlt werden musste, auf die Selbstkosten aus.
Aber wenn der Preis für einen gekauften Rafale-Jäger mehr als 218,6 Millionen Euro betrug, ist es erschreckend, sich vorzustellen, wie viel seine Herstellung in Indien kosten könnte. Und das, obwohl der französische Kampfflugzeugtyp gegenüber dem Su-30MKI (derzeit sind etwa 270 Su-30MKI in der Luftwaffe des Landes im Einsatz) keine nennenswerten Vorteile hat, eher im Gegenteil.
Die Rafale hat eine Reichweite von 1.389 Kilometern (mit Zusatztanks, zu Lasten der Kampfausrüstung, 2.000 Kilometer), die Su-30MKI 1.500 Kilometer (mit Zusatztanks bis zu 4.000 Kilometer). Die praktische Höchstflughöhe des "Franzosen" beträgt 15.240 Meter, die des russischen Kampfflugzeugs 17.300 Meter. Und schließlich ist das russische Kampfflugzeug nicht nur in der Anschaffung, sondern auch in der Wartung günstiger.
Der Vorteil des französischen Kampfflugzeugs liegt neben der etwas höheren Kampfkraft in der perfekteren Zielausrüstung für den Nahkampf (falls es überhaupt dazu kommt) und dem moderneren Radar mit aktiver Phased-Array-Antenne (APAR). Allerdings bietet "Suchoi" ein Modernisierungsprogramm an, das den Austausch des Radars durch ein moderneres mit APAR umfasst. Darüber hinaus gibt es einen Vorschlag, die Kampfkraft der Su-30MKI durch den Einbau eines neuen Triebwerks zu verstärken, mit dem derzeit die neuesten Kampfflugzeuge Su-57 (als "Triebwerk der ersten Stufe") ausgestattet sind – AL-41F1S.
Übrigens ist die Su-30MK ein traditioneller Konkurrent der Rafale, die sie wiederholt bei Ausschreibungen übertrumpft hat. Und zwar nicht nur in Ländern, die traditionell russische Waffen kaufen, sondern beispielsweise auch in Indonesien und Malaysia. Zudem ist der russische Jet der meistverkaufte schwere Kampfflugzeugtyp der Welt. Das französische Kampfflugzeug wurde hingegen nur von Griechenland, Indien, Katar und Ägypten gekauft, wobei Letzteres unter dem Druck der USA auf den Kauf der Su-30SM zugunsten des "Franzosen" verzichtet hatte.
Als Vorteil nennen die Franzosen die Ausstattung ihres Kampfflugzeugs mit SCALP-Flugkörpern, von denen mehrere hundert in diesem Paket enthalten sein sollen. Die Su-30MKI arbeiten jedoch mit den russisch-indischen Überschallraketen PJ-10 "BrahMos-A", die schwieriger abzufangen sind als SCALP und vor allem in Indien hergestellt werden. Die indischen Streitkräfte haben diese Raketen im jüngsten Konflikt mit Pakistan im Mai 2025 erfolgreich eingesetzt, wo sie die Raketenabwehr erfolgreich überwunden haben.
Übrigens führten Indien und Pakistan im Verlauf desselben Konflikts einen groß angelegten Luftkampf mit 125 Flugzeugen, bei dem Indien drei Rafale sowie jeweils eine MiG-29 und eine Su-30MKI verlor. Das heißt, gerade die französischen Kampfflugzeuge erlitten die größten Verluste. Nach diesem Gefecht äußerten Experten die Vermutung, dass der diskutierte Vertrag über den Kauf von 114 Rafale möglicherweise nicht zustande kommen würde. In Neu-Delhi entschied man sich jedoch anders – und allem Anschein nach wird der Vertrag doch abgeschlossen werden.
Es sei daran erinnert, dass der erste Vertrag mit den Franzosen über diese Flugzeuge in Indien einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen hat.
Damals, vor sieben Jahren, war geplant, 126 Maschinen mit dem Recht zur Lizenzproduktion zu kaufen. Doch der Vertrag war so formuliert, dass die Inder weder die Technologie noch das Recht zur Lokalisierung der Flugzeugmontage in Indien erhielten. Außerdem haben die Franzosen die Lieferfristen nicht eingehalten. Das Einzige, was die Inder erreichen konnten, war eine Reduzierung der vertraglich vereinbarten Anzahl der zu kaufenden Flugzeuge von 126 auf 36. Hinzu kommt, dass es aus konstruktiven Gründen nicht möglich ist, die Rafale mit den indischen Luftbetankungsflugzeugen vom Typ Il-78MKI zu betanken, und Frankreich für den Vertrag über die Lieferung von Tankflugzeugen auf Basis des Airbus A-330 eineinhalb Milliarden Euro verlangte.
Nun also hat Indien beschlossen, einen neuen Versuch zu unternehmen. Aber warum? Die Antwort ist einfach: Es hat keine andere Wahl. Neu-Delhi verfolgt traditionell in allen Bereichen, einschließlich der militärisch-technischen Zusammenarbeit, eine vielschichtige Politik. Abgesehen von der Abneigung, alles auf eine Karte zu setzen, befürchtet Indien in der gegenwärtigen Situation hypothetische Sekundärsanktionen und möchte eine Alternative haben.
Aber warum wurde gerade das teuerste Kampfflugzeug der Generation 4++ der Welt ausgewählt? Ganz einfach, weil Indien keine anderen Alternativen hat. Es kommt nicht in Frage, Flugzeuge aus China zu kaufen, das von Neu-Delhi als Gegner betrachtet wird, und Peking würde sie sicherlich ebenso wenig verkaufen. Darüber hinaus verwendet die indische Luftwaffe auch andere französische Flugzeuge – alte Mirage-2000, die durch modernere Rafale ersetzt werden sollen, wobei die gewohnte Struktur beibehalten wird: ein Teil russischer, ein Teil französischer Maschinen.
Sollte man F-35 von den USA kaufen? Donald Trump würde einen solchen Deal sehr begrüßen, aber Indien befürchtet wiederum eine übermäßige Abhängigkeit von den USA im Bereich der Rüstung.
Was die Gefahr für die russisch-indische Zusammenarbeit im Bereich der Rüstung angeht, sollte man diese nicht überbewerten. Praktisch 80 Prozent der indischen Waffen stammen aus Russland, und diese Tradition wird sich zwangsläufig fortsetzen. Übrigens umfasst das genannte Beschaffungspaket nicht nur den Kauf französischer Kampfflugzeuge und US-amerikanischer U-Boot-Abwehrflugzeuge, sondern auch 288 Raketen für das russische Luftabwehrsystem S-400 im Wert von 1,1 Milliarden US-Dollar.
Hinzu kommt, dass Neu-Delhi Interesse am Kauf und der gemeinsamen Produktion des russischen Kampfflugzeugs der fünften Generation Su-57E zeigt. Denn wenn Pakistan chinesische Flugzeuge der fünften Generation J-20 erhält, was durchaus wahrscheinlich ist, würde Indien dem sonst nichts entgegenzusetzen haben.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 15. Februar 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Boris Dscherelijewski ist ein russischer Militäranalyst.
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