Nordkorea warnt Südkorea nach Flugblattaktion: "Wir können nicht länger ein Zuschauer bleiben"

Nordkorea hat am Sonntag Südkorea vorgeworfen, eine Aktion zur Einschleusung von Flugblättern gegen die Führung in Pjöngjang nicht verhindert zu haben. Die einflussreiche Schwester von Kim Jong-un machte die Regierung in Seoul für mögliche Konsequenzen verantwortlich.

Nordkorea hat nach einer neuen Propagandaaktion südkoreanischer Aktivisten an der Grenze seinem Nachbarland mit Konsequenzen gedroht. Die stellvertretende Leiterin der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit und Information der Arbeiterpartei Koreas, Kim Yo-jong, beschuldigte die Regierung in Seoul am Sonntag, die gegen die Führung in Pjöngjang gerichtete Flugblattaktion zugelassen zu haben. 

"Wir können nicht länger ein Zuschauer bleiben."

Die einflussreiche Schwester von Staatschef Kim Jong-un bezeichnete die Aktion eine "nicht tolerierbare Provokation". Nordkorea werde "entsprechende Aktionen prüfen", um darauf zu regieren. Die Verantwortung dafür werde bei Seoul liegen.

Am Freitag hatte die von einem nordkoreanischen Flüchtling angeführte Gruppe "Fighters for a Free North Korea" (Kämpfer für ein freies Nordkorea) aus Südkorea erklärt, in der Zeitspanne vom 25. bis zum 29. April trotz eines neuen Verbots zehn Gasballons mit 5.000 Ein-US-Dollar-Scheinen, 500 Broschüren und einer halben Million Flugblättern nach Nordkorea geschickt zu haben. Die Druckschriften enthielten Kritik an der Führung in Pjöngjang. Südkoreas Verteidigungsministerium bestätigte die Angaben der Gruppe bisher nicht.

Im vergangenen Jahr hatte die Führung in Pjöngjang nach einer solchen Aktion die Kommunikationsleitungen zum Nachbarland gekappt und ein Verbindungsbüro an der Grenze gesprengt. Es wäre nun die erste Luftballonaktion, seit Ende März eine Gesetzesänderung in Kraft ist, wonach das Versenden von Flugblättern und anderer Dinge an der militärischen Demarkationslinie zwischen beiden Ländern verboten ist. Südkoreas Regierung begründet das Verbot damit, dass sich beide Länder geeinigt haben, auf gegenseitige Verleumdungen und Flugblattaktionen an der Grenze zu verzichten. Aktivisten finden, dass das neue Gesetz die Meinungsfreiheit verletze und verfassungswidrig sei. In Südkorea wird nun die Einschleusung von Antiregierungsinhalten nach Nordkorea mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet.

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