Russlands Innenminister Kolokolzew besucht Kuba

Seitdem die USA bei einem kinoreifen Angriff den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro gefasst haben, herrscht auch in Kuba eine quälende Ungewissheit über die weiteren Schritte der USA. Umso bedeutender erscheint der Besuch des russischen Innenministers auf der Insel.

Der russische Innenminister Wladimir Kolokolzew ist zu einem offiziellen Besuch in Kuba eingetroffen. In der Hauptstadt Havanna kam er mit den Spitzenpolitikern und -beamten des Karibikstaates zusammen. Die Visite fand kaum drei Wochen nach dem 3. Januar statt, dem Tag, an dem die USA Venezuela, den wichtigsten Verbündeten Kubas, angegriffen und seinen Staatschef Nicolás Maduro festgenommen hatten. Auf diesen Umstand ging auch der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel explizit ein, als er Kolokolzew im Revolutionspalast empfing.

Díaz-Canel sprach mit Blick auf den Zeitpunkt der Visite von deren "enormer Bedeutung". Der Besuch des russischen Innenministers sei ein weiterer Beweis für die Hilfsbereitschaft des eurasischen Landes. Es sei wichtig, die schwierige Situation in der Welt im Allgemeinen und in der Karibik im Einzelnen zu besprechen, sagte der Präsident und unterstrich, dass der US-Angriff auf Venezuela am 3. Januar die Situation auf der Insel, die wegen der jahrzehntelangen US-Blockade gegen Kuba schon ohnehin schwer sei, noch weiter verschlimmert habe. Damit meinte der Kubaner offenbar die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump.

Der Russe drückte wegen des Todes von 32 kubanischen Sicherheitskräften bei der US-Attacke auf Venezuela sein Beileid aus und betonte, dass Moskau gegen jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten von anderen Staaten sei.

Außerdem stellte Kolokolzew fest, dass die Innenministerien von Russland und Kuba ihre Kontakte weiterentwickelten.      

"Die Behörden arbeiten in verschiedenen Bereichen zusammen, darunter bei der Bekämpfung des Drogenhandels und bei der Gewährleistung der internationalen Informationssicherheit, tauschen Anfragen zur Fahndung von Verbrechern aus und bilden Polizeibeamte aus."

Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg warnte Kolokolzew vor neuen Gefahren für Kuba und die ganze Region, indem er das osteuropäische Land als "Prüffeld für die lateinamerikanische Kriminalität" bezeichnete. Er verurteilte die westlichen Waffenlieferungen in die Ukraine als "verantwortungslos" und kritisierte zudem die Teilnahme von Söldnern an dem Konflikt. In diesem Kontext lud der Minister seine kubanischen Kollegen zur 6. Internationalen Konferenz gegen die Verbreitung von Extremismus im September in Moskau ein.

Später traf sich Kolokolzew mit Raúl Castro. Der jüngere Bruder des Revolutionärs Fidel Castro und einer der Führer der Kubanischen Revolution bezeichnete die bilateralen Beziehungen zwischen Russland und Kuba als "ausgezeichnet" und sprach vom "permanenten" Willen, sie weiter zu stärken. Der jetzige General und frühere Ex-Präsident bestellte schöne Grüße an den russischen Staatschef Wladimir Putin.

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