US-Präsident Donald Trump kündigte am Donnerstag an, dass die amerikanischen Streitkräfte nach monatelangen Seeangriffen im östlichen Pazifik und in der Karibik mit Bodenoperationen gegen Drogenkartelle in Mexiko beginnen werden. "Wir werden jetzt damit beginnen, die Kartelle an Land zu bekämpfen. Die Kartelle beherrschen Mexiko", sagte Trump in einem Interview mit dem Moderator Sean Hannity auf Fox News am Freitag. Zum Zeitpunkt oder Umfang der geplanten Bodenangriffe machte er keine Angaben.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum reagierte prompt auf Drohungen und wies den Außenminister Juan Ramón de la Fuente an, Kontakt zum US-Außenminister Marco Rubio aufzunehmen. Auf einer Pressekonferenz in Acapulco am Freitag betonte Sheinbaum einmal mehr die bilaterale Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich. "Wir wollen uns kein anderes Szenario vorstellen, sondern eine engere Zusammenarbeit im Rahmen der Verteidigung der Souveränität."
Die mexikanische Regierung hat als eine der ersten den US-Angriff auf Venezuela als klaren Verstoß gegen die UN-Charta verurteilt. Zu den möglichen Militärschlägen in Mexiko ohne die Zustimmung von Mexiko-Stadt, teilte sie mit, dass diese gegen internationales Recht verstießen und einen beispiellosen Angriff auf einen Verbündeten und wichtigen Handelspartner der USA darstellen würden.
Gleichzeitig bekämpft die US-Marine den vermeintlichen Drogenschmuggel auf See, wobei bei US-Angriffen auf mutmaßliche Transportboote seit September mehr als 100 Menschen starben. Bei vielen handelte es sich nachweislich um Fischer.
Bodenangriffe auf Kartelle in Mexiko würden eine erhebliche Ausweitung des militärischen Engagements der USA in der Region bedeuten. Die beiden mächtigsten kriminellen Organisationen Mexikos, das Sinaloa-Kartell und das Jalisco-Kartell der Neuen Generation, kontrollieren riesige Gebiete und liefern sich einen gewalttätigen Wettstreit, bei dem im vergangenen Jahr mehr als 30.000 Menschen getötet wurden.
Trump hat im Februar 2025 sechs mexikanische Kartelle als ausländische terroristische Organisationen eingestuft, was Mexiko als Bedrohung seiner Souveränität und potenzielle Rechtfertigung für ein militärisches Eingreifen verurteilt hat.
Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum hat Verfassungsreformen vorgeschlagen, um den Schutz vor nicht genehmigten ausländischen Operationen zu verstärken, und lehnt jegliche US-Militärpräsenz auf mexikanischem Boden konsequent ab.
Sheinbaum mahnte am Montag, der amerikanische Kontinent gehöre nicht einer einzigen Nation, und reagierte damit auf Trumps Behauptung, Washington "dominiere" die Hemisphäre nach der Festnahme Maduros. Trump erklärte am Sonntag, er habe Sheinbaum gedrängt, den Einsatz von US-Truppen gegen mexikanische Kartelle zuzulassen – ein Angebot, das sie zuvor abgelehnt habe.
Mexikanische Kartelle stellen den Großteil des Fentanyls, das in die USA gelangt, unter Verwendung chemischer Grundstoffe her, die hauptsächlich aus China bezogen werden. Überdosen von Fentanyl und anderen synthetischen Opioiden haben in den USA seit 2021 mehr als 100.000 Todesfälle pro Jahr verursacht. Trump hat die Droge im Dezember 2025 als Massenvernichtungswaffe eingestuft. Es gibt allerdings Hinweise dafür, dass der Drogenschmuggel in die USA nicht ohne Mitwirkung US-amerikanischer Geheimdienste stattfindet.
Unklar bleibt bislang, ob Trump eine Genehmigung des Kongresses für Angriffe in Mexiko einholen wird. Die US-Verfassung gibt dem Kongress die Befugnis, den Krieg zu erklären, obwohl die Präsidenten in der Vergangenheit Militäroperationen ohne formelle Erklärungen eingeleitet haben.
Wie das Portal amerika21 berichtet, könnte Trump in seinem Vorhaben auf die Unterstützung der rechten mexikanischen Oppositionsparteien PAN und PRI zählen. Sie distanzierten sich in dieser Frage von der Präsidentin und liebäugeln mit einer möglichen Intervention des übermächtigen Nachbarn. Lediglich die Partei Movimiento Ciudadano (MC) verurteilte die "illegale Intervention" der Vereinigten Staaten in Venezuela: "Mexiko würde so etwas auf seinem Territorium nie akzeptieren", betonten Vertreter der MC.
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