Vermisstensuche in Mexiko: Über 500 Kilo menschliche Überreste in "Vernichtungszentrum" La Bartolina

In Mexiko gibt es mindestens neun Orte, an denen kriminelle Gruppen die Leichen ihrer Opfer in großen Mengen verbrannt haben sollen. Laut einem Bericht haben die Behörden allein im Ort La Bartolina seit dem Jahr 2017 rund 500 Kilogramm menschliche Überreste entdeckt.

Die mexikanische Nationale Kommission für Vermisstensuche (CNB) hat in ihrem jüngsten Bericht bekannt gegeben, dass innerhalb von fünf Jahren in der Ortschaft La Bartolina im Bundesstaat Tamaulipas ungefähr 500 Kilogramm eingeäscherte menschliche Überreste geborgen worden seien. Das "Vernichtungszentrum" in der Nähe der Grenze zum US-Bundesstaat Texas sei im Jahr 2017 entdeckt worden.

Am Freitag sagte CNB-Leiterin Karla Quintana in der Radiosendung Aristegui Noticias, man habe bislang erst einen kleinen von La Bartolina abgesucht. Die übrigen acht sogenannten Vernichtungszentren seien im Laufe der vergangenen Jahre ebenfalls in Nordmexiko in vier verschiedenen Bundesstaaten entdeckt worden. Das organisierte Verbrechen habe sie genutzt, um Leichen zu verbrennen. Die meisten der Opfer seien schätzungsweise zwischen den Jahren 2009 und 2012 gestorben.

Nach Angaben des Vizesekretärs für Menschenrechte, Bevölkerung und Migration Alejandro Encinas Rodríguez gelten im Land mit rund 126 Millionen Einwohnern mehr als 89.000 Menschen als vermisst. Seinen Statistiken zufolge haben die Behörden von den rund 50.000 Vermissten, die zwischen Dezember 2018 und Juni 2021 gemeldet wurden, knapp 57 Prozent wiedergefunden. Etwa acht Prozent der Vermissten wurden tot aufgefunden.

In Mexiko agieren heute zahlreiche mächtige Drogenkartelle und andere kriminelle Gruppen, die oft Verbindungen zu korrupten Politikern und Sicherheitskräften haben. Nach jüngsten Zahlen werden im lateinamerikanischen Land im Schnitt fast 100 Morde am Tag registriert. Die meisten Taten werden nie aufgeklärt.

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(rt/dpa)