Offener Krieg auf den Straßen von Khartum: Opferzahl im Sudan steigt weiter

Den vierten Tag in Folge dauern im Sudan Kämpfe um die Macht zwischen zwei rivalisierenden Generälen und ihren Truppen an. Krankenhäuser und Wohngebiete werden weiterhin beschossen, wodurch die Zahl der Opfer steigt.

Die schweren Gefechte im Sudan rissen auch in der Nacht zum Dienstag nicht ab. Krankenhäuser und Wohngebiete wurden massiv beschossen, wodurch die Zahl der Opfer weiter gestiegen ist. Während die Armee und eine mächtige rivalisierende Milizgruppe auf den Straßen weiter um die Kontrolle des Landes kämpften, kauerten die Sudanesen in der Hauptstadt und in anderen Städten einen dritten Tag lang in ihren Häusern. Das berichtete die AP-Agentur am Montag. 

Seit dem Ausbruch der Gefechte wurden mindestens 185 Menschen getötet und mehr als 1.800 verletzt, wie der UN-Sonderbeauftragte Volker Perthes vor Reportern mitteilte. Beide Seiten setzen Panzer, Artillerie und andere schwere Waffen in dicht besiedelten Gebieten ein. Bei Einbruch der Dunkelheit flogen Kampfflugzeuge über die Stadt. In Khartum ist der Flughafen noch immer umkämpft und kann derzeit nicht angeflogen werden.

Der EU-Botschafter im Sudan wurde am Montag in seiner eigenen Residenz angegriffen. Das teilte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell mit. Die Tat stelle einen schwerwiegenden Verstoß gegen das Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen dar, schrieb Borrell auf Twitter. 

Berichten zufolge toben in der Hauptstadt Khartum weiterhin heftige Gefechte auf den meisten Brücken, um den internationalen Flughafen und das Hauptquartier des Militärs. Auch in der Region Darfur wird gekämpft.

Seit Langem warnen Experten davor, dass die reguläre Armee und die weitgehend unabhängig von ihr operierende RSF-Miliz im Sudan aneinandergeraten könnten. Sie konkurrieren um Ressourcen und Rekruten und haben jeweils ausländische Unterstützer. In den vergangenen drei Jahren habe es wiederholt Spannungen zwischen den RSF und der SAF gegeben. 

Seit der Entmachtung von Omar al-Baschir im Frühjahr 2019 hat Sudan eine unruhige Zeit durchlebt, in der es keiner zivilen Regierung gelungen ist, an die Macht zu gelangen.

Im Machtkampf zwischen den beiden wichtigsten Generälen der sudanesischen Militärgruppen hat der General der RSF, Mohammed Hamdan Daglo, internationale Unterstützung gegen den General der regulären Armee, Abdel Fattah al-Burhan, gefordert. General Al-Burhan sei "ein radikaler Islamist, der Zivilisten aus der Luft bombardiert", behauptete Daglo am Montag auf Twitter. 

Beobachter glauben, die Spannungen zwischen der Armee und der RSF seien noch nie so deutlich gewesen. Sudanesische Par­teien haben inzwischen zur Deeskalation aufgerufen. Eine Gruppe ausländischer Botschafter in Khartum haben die Führungen der Armee und der RSF dazu aufgerufen, ihre Differenzen zu lösen und ein "geeintes professionelles Militär" zu bilden, das ei­ner zivilen Regierung gegenüber "re­chenschaftspflichtig" sei.

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