Marokko hat die Beziehungen zur deutschen Botschaft in Rabat nach einem Medienbericht ausgesetzt. "Jeglicher Kontakt" mit der Botschaft werde ausgesetzt, heißt es in einem Schreiben des marokkanischen Außenministers Nasser Bourita, das die marokkanische Nachrichtenseite Medias24 am Montagabend veröffentlichte. Als Grund werden in dem einseitigen Brief "tiefe Missverständnisse" zu "grundlegenden Fragen des Königreichs Marokko" genannt.
Eine offizielle Mitteilung von marokkanischer Seite gab es zunächst nicht. Die deutsche Botschaft in Rabat war auf Nachfrage am Abend nicht zu erreichen. Die genauen Hintergründe für den Schritt blieben zunächst unklar. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit:
"Wir haben die Medienberichte zur Kenntnis genommen."
In dem Schreiben werden marokkanische Behörden gebeten, "sämtlichen Kontakt, Umgang oder kooperative Handlungen in allen Fällen und allen Formen" zu unterbinden – sowohl mit der deutschen Botschaft in Rabat wie auch mit deutschen Organisationen, die mit der Botschaft verbunden sind. Ausnahmen müssten dabei explizit vom marokkanischen Außenministerium genehmigt werden.
Das Auswärtige Amt beschreibt die Beziehungen mit Marokko im Internet als "traditionell eng, freundschaftlich und spannungsfrei". In dem Land sind mit eigenen Büros unter anderem die Friedrich-Ebert-, die Konrad-Adenauer- und die Friedrich-Naumann-Stiftung vertreten. Beide Länder pflegen auch starke Wirtschafts- und Handelsbeziehungen.
Jedoch gibt es auch mehrere Stolpersteine zwischen den Ländern, wie etwa die einseitige Anerkennung der Souveränität Marokkos über das Gebiet der Westsahara durch die USA, was von der deutschen Seite kritisiert wurde. Die ehemalige spanische Kolonie mit einer halben Million Einwohnern, Westsahara, wurde größtenteils von Marokko besetzt. Die Region verfügt über reiche Naturressourcen, darunter fischreiche Gewässer und Phosphat-Vorkommen. Zuvor hatte Marokko bereits mit Unmut auf seinen Ausschluss von der Berliner Libyen-Konferenz im Januar 2020 reagiert.
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(rt/dpa)